Geschichte unserer MK

1925   Gründung des Marine-Clubs Villach
1935   Die Villacher MK wird Mitglied des Landesmarineverbandes.
            Naturgetreuer Nachbau des k.u.k. Torpedobootes TB 53 T.
1938 - 1945   Mitglied des Deutschen Marineverbandes
1955   Ende der Besatzungszeit; Wiederbelebung der MK´s in Kärnten
            Mitaktivist u.a. auch Obmann: KptLt Dr. Heinrich Peter-Pirkham (Sohn d.
            Namensgebers der MK)
1962   Die MK Villach beteiligt sich an der Übernahme von 12 Särgen der sterblichen                          Überresten von k.u.k. Marinesoldaten des SM U 20 an der Grenze bei Thörl-Maglern.
1982   Unter Obmann Dir. Josef Tilly wird in Villach das 20. Internat. U-Boot-Fahrer-Treffen
            mit 700 Teilnehmern ausgerichtet.
1988   In den Vereinsnamen wird "FregKpt Peter-Pirkham" aufgenommen (siehe unten).
1994   Die MK Villach geht eine Partnerschaft mit der MK 1894 Ingolstadt ein, die unser
            Vereinsleben sehr bereichert.
2002   Auf Obmann Josef Tilly folgt DDSG-Kpt.i.R. Leo Terpetschnig.
2010   Die MK erhält einen neuen Heimathafen im Souterrain des Parkcafe in Villach.
2011 - 2016   Ing. Josef Habernig führt als Obmann die MK.
2019   Die MK Villach organisiert für den ÖMV den Lissa-Tag.  

k.u.k. Fregattenkapitän Albert Peter-Pirkham

Geb. 1873 in Wien, gest. 1950 in Krumpendorf.

Albert Peter-Pirkham versah von 1893 bis 1918 seinen Dienst auf 43 Schiffen der k.u.k. Kriegsmarine und war von Feber 1918 bis Kriegsende Chef des Stabes des Kreuzerflotillenkommandos, d.h. der stärksten operativen Einheit der Kriegsmarine. Er war Träger einer außerordentlich hohen Anzahl in- und ausländischer Orden. Seine letzte Aufgabe war die Übergabe der Schiffe an die Alliierten und die Rückführung von rund 4000 Offizieren und Marinesoldaten von Cattaro nach Fiume.
Nachdem er sich in Kärnten niedergelassen hatte, bot er 1919 seine Dienste Landesverweser Arthur Lemisch an. Aufgrund seiner Diplomatenausbildung und mehrfachen Sprachkenntnisse war er in der Nachkriegszeit für das Land Kärnten unschätzbar wertvoll. Er bereiste mit einer US-amerikanischen Abordnung das gemischtsprachige Gebiet in Kärnten, war Mitglied der österreichischen Delegation in St. Germain und Mitglied der Interalliierten Plebiszit-Kommission IPC, die die Kärntner Volksabstimmung vorbereitete. Er war auch der Verkünder des Abstimmungsergebnisses am Neuen Platz in Klagenfurt. 

Ausführliche Artikel über Albert bzw. Heinrich Peter-Pirkham finden sich im "Blinkfeuer 2020".

Ein Schiff, das auch Peter-Pirkham von seiner Ausbildung her kannte, war die SMS Bellona.


Auszug aus dem uralten Büchlein „In Memoriam – Erlebtes und Erlauschtes aus dem alten Pola“ von k.u.k. Marineoberkommissär Dr. Oswald Straub: 

 

Auf der „Bellona“ habe ich meine Dienstzeit in Pola begonnen. Sie hat mich durch mehr als zwei Jahre beherbergt und mir die ersten Eindrücke der Kriegsmarine vermittelt. Außerdem war die „Bellona“ ein Wahrzeichens Polas.

Kam man mit der Eisenbahn in Pola an, so erwartete einen fürs erste eine Enttäuschung. Man hatte geglaubt, das weite Meer zu finden, doch was sich dem Ankömmling bot, war eine unscheinbare Wasserfläche wie ein kleiner stiller Teich zwischen Eisenbahn, der Riva und der Oliveninsel. Hatte man stadtwärts strebend den Handelshafen hinter sich gebracht, so fand man anstatt großer eiserner, gepanzerter Kolosse, wie sie mir meine rege Phantasie während der Herfahrt vorgezaubert hatte, als erstes – die „Bellona“. Sie war ja auch ein Koloss, aber sie hatte, trotzdem sie den Namen einer Kriegsgöttin führte, wirklich nicht viel Kriegerisches an sich.

Dieses hölzerne Monstrum, dessen Achterkasarett wie das einer vergrößerten Karavelle des Columbus aussah. Zwei Masten, an denen segellose Raaen an ruhmreichere Zeiten zu erinnern schienen, und die Stückpforten, aus denen vor einem halben Jahrhundert wohl mächtige Geschütze hervorgelugt haben mögen, die jetzt aber mit Glasfenstern verschlossen waren, vervollständigten dieses recht unkriegerische Gesamtbild. Das Pech wollte, dass damals als ich die „Bellona“ das erstemal sah, auch noch zwischen den Masten die Wäscheleinen gehisst waren, an denen eine Flaggengala von Sommerleibeln, Gattien, Strümpfen und Sacktüchern lustig im Winde wachelte. Der erste Eindruck war daher nicht gerade überwältigend. Und doch war sie nicht so nebensächlich wie man glauben sollte. War sie doch das „Überwachungsschiff der Schiffe in erster Reserve“ und, was mich mehr interessierte, sie war das Schulschiff für uns Marine-Kommissariatseleven. Hier hausten wir mehr als zwei Jahre, hier sogen wir die Wissenschaft aus Vorschriften und sonstigen Papieraceen ein, hier wurden uns militärischer Drill und maritime Kenntnisse vermittelt.

Es war nicht gerade ein komfortables Hotel, die Inneneinrichtung entsprach vollauf dem äußeren Ausgschau des Schiffes, aber wir waren jung und gerade dieses Primitive hat vielleicht viel dazu beigetragen, dass wir nicht anspruchsvoll ins Leben hinausgetreten sind, sondern uns mit den Rauhheiten des Lebens auseinanderzusetzen wussten. Was würde ein moderner Schulmann wohl sagen, wenn man ihm unsere damalige Unterbringung zeigte. Kein separierter Speise- und Wohnraum, kein Studiersaal, keine Garderobe und Schlafraum, wie man sie heutzutage in Internaten findet. Wir lebten, wir speisten, lernten und wohnten in zwei engen Messen, eine in der Batterie des Schiffes, gerade so groß, dass unser Zwanzig um einen langen Tisch gedrängt sitzen konnten. Und die andere, die zweite, die sogenannte untere Messe für die Benjamine unter uns, ein düsterer Raum, teilweise schon unter der Wasserlinie im Banjerdeck des Schiffes. 

Zur Unterbringung unserer gesamten Habe dienten die Kadetteneffektenkisten, Cassone genannt. Man stelle sich ein hölzernes Ungetüm vor, so groß wie ein Schreibtisch, Gewicht mehrere Zentner, in dessen Tiefen wir unsere Uniformen, Wäsche, kurz unser gesamtes Hab und Gut verstauen mussten. Zieht irgendein normaler Junge von einer Wohnung in eine andere, dann lüpft er wohl mit jeder Hand ein Köfferchen und geht los, bei uns musste ein Kran bemannt werden, um den Casson auszuschiffen. Nur die Ältesten unter uns hatten außerdem noch einen kleinen Hängekasten, genannt Scafetto, an der Wand der Messe.

Die Schlafgelegenheit: Betten lernten wir erst wieder kennen, als wir als Commissäre von der „Bellona“ in das normale Leben entlassen wurden. Eine Branda, das war der Name für unsere Hängematten, war der Bettersatz. In langen Reihen wurden abends die Brande von den Ordonnanzen in der luftigen, im Winter oft sehr luftigen Batterie des Schiffes an der Decke aufgehängt, und ich erinnere mich heute noch daran, was für ein schweres Problem es für uns Anfänger war, in diese fast mannshoch hängende, ewig baumelnde Matte einzusteigen. Lag man aber einmal drin, dann war man nicht schlecht geborgen, warm eingebettet in zwei Kotzen. Nur die ganz steuerbord bei den Stückpforten Hängenden hatten es in Nächten, in denen die Bora blies, sehr kalt, wenn dieser Wind, der durch Stein und Bein gehrt, bei den Stückpforten hereinzog. Es liegt nahe, dass diese Brande daher immer von den Jüngsten bemannt werden mussten. Ich jedenfalls schlief sehr gut in der Branda und wenn etwa irgendein Nachtwandler von unten in meine Hängematte stieß, oder wenn ein Baccolo auf der Kotze über meinen Bauch spazierte, so waren das Intermezzi, die die Zufriedenheit nur für Momente trüben konnten. Jedenfalls wurde das Aufstehen um ½6 Uhr früh recht schwer, manchmal derart schwer, dass der jeweilige Inspektionseleve, der für die rechtzeitige Räumung der Brande verantwortlich war, nachhelfen musste. Am wirksamsten war diese Nachhilfe, indem man die Branda am Fußende strich, das heißt die Aufhängung löste und die Hängematte zu Boden gleiten ließ. In besonders hartnäckigen Fällen konnte man dies auch am Kopfende durchführen, so dass das teure Haupt des Langschläfers schon am Boden angelangt war, wenn seine Haxen noch in der Branda himmelwärts wiesen, eine Körperlage, die selbst den unverbesserlichsten Langschläfer zum Aufstehen veranlasste.

Das weitere zur Rogletmachung unserer Glieder besorgte die dann durch 1½ Stunden folgende militärische Betätigung in frischer Luft. Mochte die Sommersonne hernieder brennen, mochte es regnen oder die Bora blasen, immer hieß es auf Deck oder am Achterkasarett antreten, wo wir exerzierten oder Gewehrgriffe klopften, fochten oder turnten. Ja, unser Instruktionsoffizier, Schiffsleutnant P., meinte, es würde uns gar nicht schaden, wenn wir auch an den Masten auf den Wanten aufentern, ein Sport, der nicht allen eine ungemischte Freude bereitet hat. 

Aber selten war wohl ein Boot so schnell gestrichen und bemannt, als wenn es zum Segeln hinausgehen sollte. Dagegen habe ich es nie begriffen, dass es im Inlande Landratten geben soll, die das Rudern als Sport betreiben. Ich möchte einen solchen Idealisten einmal in ein ärarisches Seitenboot oder noch besser in eines der berüchtigten Ungetüme, die sogenannten Kasernboote setzen, ob er dann wohl noch so für das Rudern schwärmen würde? So ein zwei Meter langes Ungetüm von Riemen – so hießen maritim die Ruder – mit der einen Hand durch das Wasser ziehen und dann mit der anderen im richtigen Moment aus dem Wasser herauszudrehen, das soll ein Vergnügen sein? Und wenn fallweise dieses Biest von Riemen eben nicht aus dem Wasser heraus wollte – Granzi (Krebse) fangen nannte man diese Katastrophe – dann rasierte einen das Ruder von der Ruderbank, so dass man längelang im Boot lag. Wünschte man etwa von der Bootsbemannung gelyncht zu werden, so brauchte man nur bei der Ruderregatta einen Granzo zu fangen. Oder es schmeißt einem der Vordermann auf das Kommando „geroit“ beim Versorgen der Riemen mit ganzer Kraft das Ruder auf den kleinen Finger. Kurz, ich kenne jedenfalls sympathischere Betätigungen.

Für unsere Schwimmstunden bedurften wir auch keiner gesonderten Badeanstalt; der Ozean, der unsere brave „Bellona“ umgab, musste auch genügen, und außerdem halfen wir dabei durch unsere Schwimm- und Springkünste den vielen Zuschauern, die am Anlegeplatz des Molo Bellona auf ihre Boote warteten, die Zeit vertreiben. Gelegentlich der ersten Schwimmstunde frage uns der Instruktionsoffizier, wer Freischwimmer, wer Nichtschwimmer sei. Jene, die sich als Schwimmer deklarierten, sollten ihre Kunst dadurch beweisen, dass sie vom Steuerbordfallreep, 3 Meter tief springen, die Nichtschwimmer würden an die Leine genommen werden. Nun hatte ich mich wohl vor Jahren in den Fluten der March in bescheidenen Schwimmversuchen betätigt, aber ich wusste wirklich nicht, ob ich auch tatsächlich schwimmen könne.  Die drohende Aussicht aber, vor den staunenden Blicken einer hohnlachenden Zuschauerschaft am Molo Bellona wie ein gefangener Frosch am Strick zu hängen und zu zappeln, ließ mich alle Skrupel überwinden und ich sprang. Der Bauchfleck, der daraus resultierte, hat sich sehen lassen, aber ich schwamm. „Wie ein verrück gewordener Pescecan (Krebs)“ behaupteten meine Kameraden, aber was verschlägts, ich schwamm und gehörte nun zu der privilegierten Gilde der Freischwimmer. Ich wusste damals noch nicht, dass ich bald in die Lage kommen sollte, diese Fertigkeit in ernsterer Stunde zu verwenden.

Es war im Dezember desselben Jahres, als wir einmal behufs Instruktion auf eines der am Scoglio olivi vertäuten Schiffe geführt werden sollten. Lehrausflug wurde man vielleicht heute sagen, wir nannten es „Viehtrieb“. Um an Bord zu kommen, mussten wir eine sogenannte „Tiramolo“ benützen. Das war ein Boot, das einerseits am Molo, am anderen Ende am Fallreep des Schiffes befestigt war, und mit Hilfe eines durchlaufenden Taues hin und her gezogen werden konnte. Wir waren ungefähr am halben Weg zum Schiff angelangt, da kenterte das Boot. Vielleicht waren wir im Boot schlecht verteilt gewesen oder es war das Seil gerissen, und unser fünfzehn pritschelten wir und strampelten in dem nichts weniger als warmen Wasser. Dabei hatten wir das Schlachtschwert umgeschnallt und den Wintermantel an, aber in kurzem waren wir doch an Land gekrault. Wir traten zum Appell an und – oh Schreck – wir waren nur mehr vierzehn. Kamerad G. fehlte. Alles Suchen half nichts, er war wie vom Erdboden verschwunden. Die Stimmung war schon recht gedrückt, da kam er eine Stunde später quietschvergnügt in einer halbgetrockneten, vollständig ramponierten Uniform daher. Er hatte es ganz gescheit machen wollen, war in die elektrische Zentrale gelaufen und hatte sich zum Trocknen unter den Dampfkessel gesetzt.

Alles in allem genommen war mir, wenigstens anfänglich, die körperliche Betätigung weitaus lieber als der Dienst im Hauptmagazin des Seearsenales, wohin ich mich nach Beendigung der morgendlichen Beschäftigung an Bord zu Wasser und zu Lande zwecks praktischer administrativer Ausbildung begeben musste. Es war doch schöner, sich  in freier Luft zu bewegen, als in dumpfer Kanzlei zu schreiben und zu rechnen. Insbesonders, wenn man daraufkommt, dass man trotz achtjährigem Mathematikstudium dennoch nicht addieren kann, und, wie es mir passierte, um 100.000 Tonnen Kohlen mehr herausrechnet. An die Augen meines Chefs, Oberkommissär S., von damals erinnere ich mich noch heute in schweren Träumen.

Allerdings war die militärische Betätigung auch nicht immer gefahrlos. Ich denke dabei nicht an körperliche Gefahren - schließlich kann einem ja auch in der Via Sergia ein Ziegel auf den Kopf fallen - sondern an disziplinäre, die da und dort lauerten. Ein militärisches Verbrechen ist bald begangen.

Es war einmal beim Morgenexerzieren. Wir standen in der Einteilung und klopften fleißig Gewehrgriffe. Ich war im zweiten Glied eingeteilt. Auf das schöne Kommando „fertig“, nun, ich wollte es besonders stramm ausführen, hieb ich mein Schießgewehr meinem Vordermann, Kameraden Gr., mit ganzer Kraft auf den Schädel. Schon das war sicher nicht ganz im Sinne des Exerzierreglements. Aber was nun folgte, war geradezu ein militärisches Verbrechen:  Gr., der begreiflicherweise über das Kopfstück nicht sehr erfreut war, drehte sich – man denke: in der Einteilung! – zu mir um, und warf mir ein kräftiges „Tepp, blöder“ an den Kopf. Wutausbruch des Abrichters, des Kameraden R., Rapport und ein Privatissimum über Exerzierreglement und Benehmen in der Einteilung waren die Folge. Das war also noch recht glimpflich ausgefallen.

Nicht so ein anderesmal. Unser Vier hatten die Erlaubnis erhalten, mit dem Seitenboot segeln zu gehen. Schmerzlich war nur der Zusatz: „Nicht den Hafen verlassen und zum Nachtessen rechtzeitig zurück sein, da nur für alle gleichzeitig gedeckt wird.“ Selbstverständlich sagten wir darauf: „Jawohl“. Was hätten wir wohl anderes sagen sollen. Jedenfalls beschwerte dieser Befehl unser jugendliches Gewissen nicht allzu sehr. Ein himmelblaues Firmament, eine lachende Sonne, eine leichte, günstige Brise, Brioni vor der Nase, diese Umstände wogen schwerer als alle militärischen Skrupel. Auch das Bedenken, dass unsere an Bord zurückgebliebenen Kameraden mit dem Nachtmahl auf uns warten müssen, entwaffnete Kamerad B. mit dem Zitat „Lass sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind“, und schon waren wir im Kurs auf Brioni. Ein Glas Bier in Brioni, ein Spaziergang durch den Wald, ein Bad am Meeresstrand, alles recht schön und gut, aber das dicke Ende kam erst bei der Heimfahrt. Der Wind wollte nicht mehr recht, immer weniger füllte er die Segel, bis wir auf halbem Wege zwischen Punta Christo und Peneda in vollständiger Bonazza (Windstille) festlagen. Jeder Marineur wird es ermessen können, was es heißt, ein Seitenboot zu viert von Peneda bis zur „Bellona“ zu rudern. Was weiter folgte, ist bald erzählt: Krach in der Messe, weil die Kameraden über eine Stunde mit dem Nachtmahl hatten warten müssen. Krach beim Kommandorapport; Endergebnis: 14 Tage Bordarrest. Meine geringe Begeisterung für das Rudern war dadurch nicht gerade gesteigert worden. 

Und doch hat auch das Rudern mir manchmal ganz gute Dienste geleistet. Wenn mein Chef im Hauptmagazin sich über meine Krähenfuß-Handschrift ereiferte, hatte ich immer gleich die Entschuldigung bei der Hand, dass ich vom Rudern käme. Dies traf natürlich nur in den seltensten Fällen zu - aber mein Chef war entwaffnet. Es war auch wirklich nicht das Rudern daran schuld. Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen gehabt hat, meine Hieroglyphen entziffern zu müssen, wird die Überzeugung gewonnen haben, dass ich kein Kalligraph bin. Ich selbst wollte dies nicht glauben, bis viele Jahre später, als ich schon lange nicht mehr rudern musste, eine Episode auch mich zur Erkenntnis gebracht hat, dass meine Schrift und besonders die Unterschrift, auf die ich so stolz war, alles andere als lesbar seien. 

Ich hatte einen Vertrag mit einer Privatpartei als Vertreter der Kriegsmarine unterschrieben. Wie erstaunt war ich, als mir später eine Kopie des Vertrages ausgehändigt wurde. Da stand fein säuberlich in Maschinschrift: „Als Vertreter der k.u.k. Kriegsmarine: Dr. Jordan Tinov.“ So hatte die Tippmamsell meine Unterschrift entziffert.

Noch ein Geschichtchen aus dem Büchlein

„In Memoriam – Erlebtes und Erlauschtes aus dem alten Pola“ 
von k.u.k. Marineoberkommissär Dr. Oswald Straub: 


„Am Corso“

 

Corso kommt von „correre“, das bedeutet „laufen“. Und wirklich, der Corso des Südens ist eine, meist nur wenige hundert Meter lange Strecke, auf der die Einheimischen am Abend stundenlang auf und ab laufen. Ungefähr das, was man in weiter nördlich gelegenen Orten die Linie A–B nennt. Ein Unterschied besteht insoferne, als sich die Italiener meist irgendeine möglichst schmale Straße aussuchen. Vielleicht soll dadurch der familiäre Charakter dieses Corsolaufens zum Ausdruck gebracht werden. In Pola diente hiezu nicht etwa die Piazza oder die breite Riva  –  dort gingen nur die Stranieri (Fremde), die Gnocchi (Knödel = Deutsche!) und die Piombi (die Bleipatzen = Infanterie) spazieren –  sondern eine recht enge Gasse, die am Tage, solange sich der Geschäftsbetrieb in ihr abspielte, Via Sergia genannt wurde, am Abend aber Corso hieß. Seitdem ich diesen stundenlangen Corsobetrieb gesehen habe, tut mir kein Kanarienvogel in seinem engen Käfig mehr leid. Es ist ein Bedürfnis für die Leute, ein Ersatz für fehlende Unterhaltungen, eine Gelegenheit, um in angeregter Ciaccola die Tagesereignisse durchzusprechen, und schließlich ein Ersatz für Besuche, die in den Wohnungen meist nicht möglich waren, da man in der Küche hauste. Ich kannte eine einheimische Dame, die, als ihr Mann sie den heißen Sommer über in die schönen Wälder Krains geschickt hatte, jeden Samstag nach Pola zurückkam, um hier am Sonntag stundenlang am Corso auf und ab zu laufen. Am Montag fuhr sie dann in die „langweiligen“ Wälder zurück.

War das Getriebe am Corso schon an gewöhnlichen Abenden ein reges, so erreichte es mit Faschingsausklang eine beinahe beängstigende Höhe. Vom Faschingssonntag bis Faschingsdienstag herrschte Maskenfreiheit, die allerdings ausschließlich von der Polesaner Mularia (den Gassenbuben unter 15 Jahren) ausgenützt wurde. Einen geregelten Faschingszug, wie etwa an der Riviera, gab es nicht. Meist nur fürchterliche Pierrots in ramponierten Kostümen zogen in Rudeln durch die Straßen und verulkten die Normalmenschen auf recht primitive Weise. Am Faschingssonntag zog ganz Pola auf den Corso und die Piazza, ein geradezu lebensgefährliches Gedränge und Geschiebe auf engstem Raume. Hier wurden Serpentinen und Corriandoli geworfen, und die jungen Herren Polas hatten die beseligende Gelegenheit, ihrer Angebeteten diese Teigpatzen ins Gesicht oder in den Halsausschnitt zu werden. Irgendein besonders Feinsinniger hatte auch entdeckt, dass es ein ganz besonderer Spass sei, in eine Gruppe von feschen Sartorelle (Schneiderinnen = Gattungsname für die weibliche Jugend der niederen Klassen) einige Kreuzer hineinzuwerfen. Was zur Folge hatte, dass sich die gesamte kostümierte oder zivile Jugend mit Indianergeheul in die Gruppe stürzte und um das Geld raufte. Kurz, je später am Abend es wurde, desto wüster. Aber hingegangen sind wir doch.

Ing. Josef Habernig

Unser Ehrenobmann ist im Herbst 2021 im97. Lebensjahr zu seinem letzten Ankerplatz aufgebrochen.
Lieber Sepp, wir danken Dir für Alles, was Du für unsere Marinekameradschaft getan hast.
Dein Platz in unseren Herzen und damit in der Kameradschaft bleibt bestehen.